07. Mai 2026

Nach dem Community Breakfast ging es direkt weiter: Das erste „Labor für Entrepreneurship“ von Batch 2 stand auf dem Programm. Was folgte, war ein Vormittag, der gezeigt hat, warum das Kollektiv oft klüger ist als das Individuum – und warum die besten Lösungen entstehen, wenn Menschen ohne Konkurrenzdenken zusammenarbeiten.
Das Format ist bewusst einfach: Jemand bringt ein konkretes Problem oder eine Fragestellung mit. Das kann eine strategische Herausforderung sein, eine operative Hürde oder eine grundsätzliche Positionierungsfrage. Wichtig ist nur: Es ist real, aktuell und relevant.
Das Kollektiv denkt mit. Alle anderen hören zu, stellen Rückfragen und bringen ihre Perspektiven ein. Nicht als Besserwisser, sondern als Menschen, die ähnliche Herausforderungen kennen oder bereits bewältigt haben.
Der Clou des Labor-Formats: Oft entstehen neue Ansätze, auf die der Fragesteller selbst nie gekommen wäre. Gleichzeitig profitieren auch die Mitdenkenden – sie denken sich in Situationen ein, die sie schon erlebt haben oder vor denen sie selbst noch stehen.
Das Ergebnis: Alle lernen. Alle wachsen. Alle nehmen etwas mit.
Ein Team stand vor der Frage: „Wann gehen wir mit unserem Produkt an den Markt?“ Die klassische Startup-Herausforderung zwischen „zu früh“ und „zu spät“.
Was das Kollektiv beigetragen hat:
Erfahrungen aus anderen Branchen und Geschäftsmodellen
Konkrete Kriterien für „Marktreife“ aus verschiedenen Blickwinkeln
Strategien zum Test mit minimalen Ressourcen
Learnings aus eigenen „zu früh“- oder „zu spät“-Entscheidungen
Das Ergebnis: Ein klarer Fahrplan mit Meilensteinen, den das Team allein wahrscheinlich nicht entwickelt hätte.
Die zweite Herausforderung: Ein Startup kämpfte mit der Frage, wie sie ihr komplexes Produkt verständlich kommunizieren können, ohne zu technisch oder zu oberflächlich zu werden.
Die kollektive Weisheit:
Verschiedene Zielgruppen brauchen verschiedene Erklärungen
Analogien aus anderen Bereichen können komplexe Technologie verständlich machen
Der Kundennutzen ist wichtiger als die technischen Features
Einfachheit ist schwieriger als Komplexität – aber wirkungsvoller
Die dritte Fragestellung drehte sich um die Rolle von Social Media beim Unternehmensaufbau: Lohnt sich der Aufwand für B2B-Startups? Welche Kanäle machen Sinn? Wie viel Zeit sollte investiert werden?
Verschiedene Perspektiven kamen zusammen:
Teams mit erfolgreichen Social-Media-Strategien
Startups, die bewusst darauf verzichten
Gründer:innen, die unterschiedliche Kanäle ausprobiert haben
Erfahrungen mit organischem vs. bezahltem Content
Das Ergebnis: Keine pauschale Antwort, aber klare Kriterien für die individuelle Entscheidung.
Was mir besonders aufgefallen ist: Wie wertvoll unterschiedliche Perspektiven sein können. Ein Hardware-Startup hatte völlig andere Learnings zum Markteintritt als ein Software-Unternehmen. Beide Ansätze waren richtig – aber für verschiedene Situationen.
Ein Deep-Tech-Team mit langen Entwicklungszyklen konnte von einem schnell iterierenden SaaS-Startup lernen. Ein B2C-orientiertes Startup bekam wertvolle Einblicke von B2B-erfahrenen Gründer:innen.
Keine Selbstdarstellung. Kein Konkurrenzdenken. Sondern ehrlicher Austausch, direkte Fragen und unterschiedliche Blickwinkel auf die gleichen Herausforderungen.
Menschen haben ihre Schwierigkeiten offen angesprochen, ihre Zweifel geteilt und auch ihre Fehler thematisiert. Diese Ehrlichkeit war der Schlüssel für den Wert des Formats.
Während der Session wurde klar: Egal wie unterschiedlich die Geschäftsmodelle sind – die Herausforderungen als Gründer:in sind oft sehr ähnlich. Unsicherheit bei strategischen Entscheidungen, Ressourcenknappheit, die Frage nach dem richtigen Timing.
Dieses gemeinsame Verständnis schafft eine Atmosphäre, in der Menschen wirklich helfen wollen – nicht, weil sie müssen, sondern weil sie die Probleme aus eigener Erfahrung kennen.
Nach dem Labor ging es direkt ins Coworking. Perfektes Timing: Die Köpfe waren voller neuer Ideen und Ansätze, die Energie hoch, die nächsten Schritte klar.
Was passierte: Teams setzten sich zusammen und arbeiteten die Erkenntnisse aus dem Labor direkt in ihre Projekte ein. Andere führten die begonnenen Gespräche in kleineren Gruppen fort. Wieder andere starteten sofort mit der Umsetzung neuer Strategien.
Es wurde sich gegenseitig unterstützt, gelacht, gearbeitet. Ein Team half einem anderen bei der Formulierung einer Positionierung. Jemand anderes teilte konkrete Tools für Social-Media-Planung. Ein erfahrenerer Gründer gab spontane Office Hours für Fundraising-Fragen.
Das Gefühl von Gemeinschaft war greifbar. Menschen, die vormittags noch Fremde waren, arbeiteten nachmittags zusammen an Lösungen für gemeinsame Herausforderungen.
Kein Einzelner hätte allein die Qualität der Lösungen entwickelt, die im Kollektiv entstanden sind. Die Mischung aus verschiedenen Erfahrungen, Branchen und Perspektiven schafft Synergien, die bei isoliertem Arbeiten unmöglich sind.
Probleme offen anzusprechen ist der erste Schritt zu ihrer Lösung. Das Labor schafft einen sicheren Raum, in dem Schwächen thematisiert werden können, ohne dass sie als Inkompetenz ausgelegt werden.
Die Mischung aus Hardware, Software, B2B, B2C, Deep-Tech und klassischen Geschäftsmodellen in Batch 2 ist kein Zufall. Diese Vielfalt sorgt dafür, dass jede Herausforderung aus mehreren Blickwinkeln betrachtet wird.
Menschen verbinden sich nicht über Erfolge, sondern über Herausforderungen. Das Labor zeigt: Wenn alle ähnliche Probleme haben, entsteht automatisch ein „Wir“-Gefühl, das über einzelne Sessions hinaus wirkt.
Das erste Labor für Entrepreneurship war ein Experiment – und es hat funktioniert. Die Resonanz der Teams war eindeutig: Mehr davon.
Warum es funktioniert hat:
Konkrete Probleme statt theoretische Diskussionen
Verschiedene Perspektiven statt Einheitsmeinung
Ehrlicher Austausch statt Selbstdarstellung
Direkte Umsetzung statt endlose Analyse
Das Labor wird ein fester Baustein des Batch-2-Programms. Nicht als Pflichttermin, sondern als Gelegenheit für alle, die vor konkreten Herausforderungen stehen und kollektive Intelligenz nutzen möchten.
Die Erwartung: Mit jedem Labor vertiefen sich die Beziehungen zwischen den Teams. Das Vertrauen wächst. Die Bereitschaft, auch schwierige Themen anzusprechen, steigt.
Brandenburg bietet etwas, was Großstädte oft nicht haben: Ruhe zum Nachdenken, Raum zum Atmen, Zeit für echte Gespräche. Das Labor für Entrepreneurship profitiert von dieser Atmosphäre.
Keine Hektik, keine Ablenkungen – nur Menschen, die gemeinsam an Lösungen arbeiten wollen.
Community Breakfast → Labor für Entrepreneurship → Coworking – diese Abfolge ist kein Zufall. Sie schafft einen natürlichen Flow vom Ankommen über das intensive Arbeiten bis zur praktischen Umsetzung.
Menschen sind entspannt vom Frühstück, fokussiert im Labor und produktiv beim anschließenden Coworking.
Jedes Labor wird anders. Die Probleme ändern sich, die Teams entwickeln sich weiter, neue Herausforderungen entstehen. Aber das Prinzip bleibt: Einer fragt, alle denken mit.
Das erste Labor für Entrepreneurship von Batch 2 hat bewiesen: Wenn Menschen ihre Probleme teilen und andere bereit sind mitzudenken, entstehen Lösungen, die keiner allein entwickelt hätte.
Mehr noch: Es entsteht eine Gemeinschaft, die über das geschäftliche hinausgeht. Menschen, die sich gegenseitig helfen, weil sie verstehen, was es bedeutet, ein Unternehmen aufzubauen.
Das nächste Labor kommt. Und mit ihm neue Probleme, neue Perspektiven und neue Lösungen.
Denn im Reaktor Wildau glauben wir: Die besten Ideen entstehen nicht im Alleingang, sondern im Austausch. Nicht in der Isolation, sondern in der Gemeinschaft.

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