13. November 2025

Was denkt ein erfahrener Business Angel wirklich über Startups? Welche Fehler solltest du als Gründer auf keinen Fall machen? Und wie baut man eine Beziehung auf, die über Jahre hält?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt unseres Fireside Chats mit Matthias Helfrich, Business Angel des Jahres 2021. In gewohnt lockerer Atmosphäre teilte er seine Erfahrungen aus über 20 Jahren Startup-Finanzierung – ehrlich, direkt und mit überraschenden Einblicken.
Ein Fireside Chat ist unser regelmäßiges Gesprächsformat, das Gründerinnen und Gründer, Innovationsbegeisterte und Studierende zusammenbringt. Anders als bei klassischen Vorträgen führen wir persönliche Gespräche „auf Augenhöhe“ mit erfahrenen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Startup-Szene.
Der Name kommt aus der Tradition intimer Gespräche am Kamin – offen, ehrlich und nahbar. Genau so war auch unser Abend mit Matthias Helfrich: ohne Buzzwords, dafür mit echten Geschichten und wertvollen Learnings.
Matthias Helfrich aus Wiesbaden wurde 2021 vom Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. als „Business Angel des Jahres“ ausgezeichnet. Die Jury unter Vorsitz von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ehrte ihn für sein außergewöhnliches Engagement bei der Finanzierung innovativer Startups.
Seine Laufbahn begann vor über 20 Jahren als Gründungspartner eines Corporate-VC im Energiebereich. Nach sieben Jahren als Gesellschafter und CFO eines erfolgreichen Technologieunternehmens startete er 2014 seine eigene Beteiligungsgesellschaft MGH, die heute 15 aktive Beteiligungen hält. Helfrich sieht sich als „Fulltime Business Angel“ und investiert schwerpunktmäßig in Energie, Software und Life Science.
Das Besondere: Er wurde gleich von sechs seiner Beteiligungsunternehmen für den Preis vorgeschlagen – ein Zeichen für die enge Bindung, die er zu „seinen“ Startups aufbaut.
Von Beginn an machte Matthias klar: „Es geht ums Menschliche. Personen stehen hinter den Ideen.“ Für ihn müssen die zwischenmenschlichen Beziehungen stimmen, die Sympathie muss beidseitig vorhanden sein. Als Business Angel sieht er sich nicht als externen Geldgeber, sondern als Teil der Unternehmung.
Diese Herangehensweise zeigt sich in allem, was er tut: Er geht persönlich zu Notarterminen, ist 24/7 erreichbar, macht gemeinsame Motorradtouren mit Gründern und wird sogar zu Hochzeiten eingeladen. „Die Ehe ist leichter geschieden, als einen Investor aus der Gesellschaft zu bekommen“, scherzte er – und machte damit deutlich, wie ernst er langfristige Partnerschaften nimmt.
Besonders wertvoll waren Matthias‘ ehrlichen Einblicke in die No-Gos aus Investorensicht:
Zu früh Business Angels ansprechen: Startups sollten erst ihre Geschäftsidee validiert haben, bevor sie Investoren kontaktieren. Wer sofort Gehälter zahlen will, ohne unternehmerisches Risiko zu tragen, ist noch nicht bereit.
Broken Cap Tables: Stille Beteiligungen oder unklare Gesellschaftsstrukturen sind absolute Hindernisse. Das Commitment muss erkennbar sein – am besten durch Vollzeit-Engagement der Gründer.
Angels über Kunden stellen: Wenn Gründer Kundentermine verschieben, um mit Investoren zu sprechen, läuft etwas schief. „Kunde first, Angel second“ lautet Matthias‘ klare Regel.
Unvorbereitet ins Gespräch gehen: Antworten wie „Das muss ich meinen Kollegen fragen“ zeigen mangelnde Professionalität.
„Ich möchte nie verkaufen“: Gründer, die kategorisch ausschließen, ihr Startup jemals zu verkaufen, passen nicht zu Business Angels – denn diese sind Investoren auf Zeit und planen einen Exit.
Matthias investiert gezielt in Startups mit überdurchschnittlichen Wachstumsmöglichkeiten. Dabei müssen die Vertriebsstrategie stehen und die Gründer bereit sein, ihre Geschäftsmodelle anzupassen und zu erweitern. Besonders schätzt er gemischte Teams und die grundsätzliche Bereitschaft zu einem späteren Exit – auch wenn dieser nicht im Fokus der ersten Gespräche steht.
Die entscheidende Frage: „Würde ich selbst in mich investieren?“ Diese Selbstreflexion empfiehlt er jedem Gründer vor der Investorenansprache.
Eine besonders einprägsame Geschichte teilte Matthias über zufällige Begegnungen: Um 23:30 Uhr auf Gleis 12 am Bahnhof Hannover lernte er den Gründer eines nachhaltigen Mode-Startups kennen. Aus der spontanen Unterhaltung entwickelte sich eine Geschäftsbeziehung. Seine Botschaft: „Man kann auf vielfältige Weise auf sich aufmerksam machen – authentische Begegnungen sind oft die wertvollsten.“
Auch seine Entscheidungsfindung ist überraschend emotional: Obwohl die Zahlen stimmen müssen, trifft er Investmentsentscheidungen oft aus dem Bauchgefühl heraus. „Ich bin weniger datengetrieben, als man vermuten könnte.“
Besonders hilfreich waren Matthias‘ Ratschläge zum Aufbau von Gründerteams. Er empfiehlt komplementäre Kompetenzen, unterschiedliche Vermögenspositionen transparent zu besprechen und das persönliche Commitment abzugleichen.
Seine ungewöhnlichen Tipps: Gemeinsame Kurzurlaube, um sich abseits der Arbeit kennenzulernen, Werte-Workshops für private und geschäftliche Prioritäten, und sogar Probearbeiten vor der Teamgründung. Geschwister oder Freunde aus der Grundschulzeit funktionieren oft gut, Ehepartner hingegen selten.
Interessant war auch sein Ausblick: Durch KI-Tools wird Bootstrapping für Einzelgründer deutlich einfacher. Gleichzeitig sieht er Business Angels auch als potenzielle Partner für Unternehmensnachfolgen – ein Bereich mit wachsender Bedeutung.
Der Fireside Chat mit Matthias Helfrich hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen erfahrenen Investoren und Gründern ist. Seine ehrlichen Einblicke in die Investor-Perspektive, die praktischen Red Flags und seine unkonventionellen Tipps zur Teamfindung haben allen Anwesenden neue Perspektiven eröffnet.
Besonders einprägsam war seine Botschaft: Erfolgreiche Investor-Beziehungen basieren nicht nur auf Zahlen und Geschäftsmodellen, sondern vor allem auf Vertrauen, Authentizität und gegenseitigem Verständnis. „Es geht ums Menschliche“ – dieser Leitsatz zog sich durch den gesamten Abend.
Solche persönlichen Gespräche mit Branchenerfahrenen sind ein zentraler Baustein unseres Programms im Reaktor.Wildau. Kombiniert mit intensiven Masterclasses, individuellem Mentoring und unserem starken Netzwerk schaffen wir ein einzigartiges Ökosystem für Startups in Brandenburg. Hier lernen Gründer nicht nur aus Lehrbüchern, sondern von Menschen, die den Weg bereits gegangen sind.
Bist du ein Startup im Bereich Energie oder Mobilität und möchtest von solchen Erfahrungen profitieren? Dann bewirb dich für unseren nächsten Batch und werde Teil unserer Community aus Gründern, Mentoren und Investoren.

Das Gipfeltreffen der Hauptstadtregion: Die FUSION 2026 bringt in Wildau über 500 Mio. € Investment-Power, Deeptech, Energy Transition und KI-Innovation auf eine Bühne. Erlebe 30+ Top-Speaker, hochwertiges Networking ohne Krawattenzwang und den offiziellen Vorentscheid der STAR*PARADE. Sichere dir jetzt dein Ticket oder bewirb dich für einen der begehrten Pitch-Slots!
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Mapbox. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von OpenStreetMap. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen