Über 20 Jahre VC-Erfahrung, 50 Portfolio-Unternehmen und hunderte gesichtete Pitches – Alexander Kölpin brachte am gestrigen Abend das geballte Wissen der deutschen Startup-Szene ins Lagerfeuer. Unser bestbesuchter Fireside Chat wurde zu einer Masterclass in Sachen Venture Capital, die keine Fragen offen ließ.
In gewohnt lockerer Atmosphäre entstand fast zwei Stunden intensiver Austausch zwischen dem Managing Director von seed + speed Ventures und unserer Community. Das Ergebnis: Konkrete Handlungsempfehlungen, ehrliche Einblicke und die Gewissheit, dass auch von Brandenburg aus der Weg zu professionellem Investment möglich ist.
Ein Fireside Chat ist unser Gesprächsformat, das Gründende und Innovationsbegeisterte mit erfahrenen Persönlichkeiten aus der Startup-Welt zusammenbringt. Anders als bei klassischen Vorträgen führen wir persönliche Gespräche „auf Augenhöhe“ – offen, ehrlich und nahbar.
Der Name kommt aus der Tradition intimer Gespräche am Kamin – oder in unserem Fall: am echten Youtube-Lagerfeuer, das für die perfekte Atmosphäre sorgte. Das knisternde Feuer im Hintergrund und die entspannte Runde machten aus harten Business-Facts einen lebendigen Austausch.
Als Managing Director bei seed + speed Ventures, dem Frühphasen-Investor von Christian Angermayer, und Mitgründer der German Startups Group gehört Alexander zu den prägendsten Figuren der deutschen VC-Landschaft. Seine beeindruckende Laufbahn umfasst über 100 Startup-Investments – von DeepTech über SaaS bis KI.
Was Alexander besonders macht: Er beschreibt sich als Mix aus Geburtshelfer, Mentor und Sparringspartner. Jemand, der die Themen anspricht, die sonst hinter verschlossenen Türen bleiben: Preisstrategie, Teamzusammenstellung, Fundraising, Produktfokus, Marktpositionierung.
Seine Zahlen sprechen Bände: 1500 Pitchdecks gesehen, davon einige hundert genauer analysiert, aktuell 50 Unternehmen im Portfolio mit rund 8 neuen Investments pro Jahr.
Team-Readiness ist alles
„Das MVP muss da sein, Kunden sollten vorhanden sein und der Finanzplan muss plausibel aufgestellt werden“, betonte Alexander gleich zu Beginn. Bei VCs muss Vertrauen und strukturierte Professionalität zusammenkommen.
Entscheidende Kriterien:
• Das Team muss bereits gegründet haben
• Ein funktionierendes MVP liegt vor
• Erste Nutzer oder Kunden sind gewonnen
• Der Finanzplan ist realistisch durchgerechnet
• Die benötigte Investmentsumme steht fest
Investment-Prozess: Zeit nehmen, Vertrauen aufbauen
6-8 Wochen gelten als sehr schnell, nach oben ist der Zeitrahmen offen. Alexanders klarer Rat: „Lieber länger Zeit nehmen und persönliches Vertrauen aufbauen.“ Pitchdecks sind oft Hochglanz, aber die menschliche Komponente entscheidet.
Strategischer Tipp: VCs schon früher ansprechen, damit man bereits auf dem Schirm steht, bevor akuter Finanzierungsbedarf entsteht.
Was Alexander von anderen VCs unterscheidet: „Monatliche oder zweiwöchentliche Meetings, sehr enger Austausch und Unterstützung.“ Seine Startups bekommen Sales Consulting gestellt – Sales als Erfolgsfaktor wird direkt unterstützt.
Die VC-Mechanik verstehen: Was Gründer wissen müssen
Zeitliche Struktur eines VC-Fonds
Venture Capital funktioniert in 10-Jahres-Zyklen:
• Erste 5 Jahre: Neue Investments
• Nach 10 Jahren: Startups müssen verkauft werden
• Das Geld muss an die Investoren zurückgezahlt werden
Bevor ihr einen VC ansprecht, klärt:
• Wo steht der Fonds zeitlich?
• Mit welchen Personen habt ihr es zu tun?
• Wollt ihr das Unternehmen langfristig behalten oder seid ihr bereit zu verkaufen?
Alexanders klare Warnung: „Wenn ihr das Unternehmen für immer behalten wollt oder es als Mehrgenerationen-Projekt seht, dann ist VC nichts für euch.“
Bei VCs misstrauisch werden, wenn:
Cap Table richtig strukturieren
Nach dem Investment sollte das Gründerteam noch mindestens 50% der Anteile halten. Kritischer Fehler: Anteile für reine Beratung zu verteilen.
Vorab-Strukturierung ist entscheidend:
• Vesting-Regelungen für alle Gründer
• Klare Mitbestimmungsrechte definieren
• Eigentum am Produkt eindeutig regeln
Der Weg zum VC: Netzwerk schlägt Cold Calls
„Du brauchst jemanden beim VC, der dich gut findet“, fasste Alexander die Realität zusammen. Cold Calls über Website oder Inbox funktionieren, sind aber deutlich schwieriger.
Aufmerksamkeit generieren: Was wirklich funktioniert
Pitchdeck und Anschreiben müssen zusammenpassen
Die Stärke des Startups muss klar herausgestellt werden. Eine Anekdote aus dem Gespräch verdeutlichte das: Alexander erzählte von einem Pitchdeck, das mit „Wir werden das nächste Google“ begann – bei einem Team ohne Traction. „Das Pitchdeck und Anschreiben muss zur gewünschten Summe und den abgegebenen Anteilen passen – kein Text für den Kumpel von nebenan.“
Der perfekte Pitch: Problem, Lösung, Team
Am Ende muss jeder verstehen können:
• Welches Problem wird gelöst?
• Wie funktioniert die Lösung?
• Warum ist dieses Team richtig?
Call-to-Action mit realistischen Zahlen und dem passenden VC-Ansprechen.
Fördermittel als positives Signal
EU-Fördermittel und ähnliche Programme werden als positives Signal gewertet. Sie zeigen externe Validierung und können den Investmentprozess positiv beeinflussen.
Das perfekte Gründerteam: Mehr als Kompetenzen
Erfolgreiche Teams zeichnen sich aus durch:
• Viel gemeinsam verbrachte Zeit
• Geteilte Motivation und Werte
• Klares Wissen, was jeder einzelne möchte
• Gemeinsame Vision für die Zukunft
„Sehr schwer zu finden“, gab Alexander zu, „aber wenn die Chemie stimmt, ist das die halbe Miete.“
Praktische Tipps: Einfach anfangen statt verkopfen
Alexanders wichtigster Rat: „Nicht noch eine Ausbildung oder mehr Wissen sammeln. Einfach loslegen und machen, nicht zu verkopft.“
Seine Erfolgsformel für Gründer:
• Problem, Lösung und Team müssen klar sein
• Businessplan realistisch aufsetzen
• Passenden VC für die gewünschte Summe ansprechen
• Call-to-Action mit konkreten Zahlen
Alexander äußerte den Wunsch nach tieferer Einsicht in alle Startups unseres Programms – Pitchdecks, Pitch-Sessions, direkter Austausch. Ein klares Signal, dass wir mit unserem Ansatz den richtigen Nerv treffen und Brandenburg als Startup-Standort ernst genommen wird.
Was dieser Abend für unser Ökosystem bedeutet
Unser bestbesuchter Fireside Chat zeigt: Wir treffen den richtigen Nerv. Bereits vor dem eigentlichen Gespräch entstanden wertvolle Networking-Kontakte, und auch nach dem offiziellen Ende führten Teilnehmenden intensive Gespräche am noch glimmenden Lagerfeuer.
Besonders erfreut uns das Feedback unserer Gäste zur Veranstaltungsqualität. Das Lagerfeuer im Hintergrund und die Liebe zum Detail schaffen eine Atmosphäre, in der ehrlicher Austausch möglich wird.
Alexander Kölpins Besuch verdeutlicht einmal mehr: Wir bringen Weltklasse-Know-how nach Wildau und schaffen Räume für den direkten Austausch zwischen lokalen Talenten und internationalen Experten.
Solche Gespräche sind ein zentraler Baustein unseres Programms. Wir verbinden Brandenburg mit der Startup-Welt und zeigen, dass auch von hier aus der Weg zu professionellem VC-Investment möglich ist.

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