17. Dezember 2025

Von Wildau ins Silicon Valley und zurück – an einem Abend. Bei unserem Fireside Chat erlebten wir eine Reise durch zwei Welten des Entrepreneurships, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mani Honigstein, Managing Partner bei Honeystone Ventures aus Palo Alto, teilte seine ungeschminkten Einblicke in die VC-Welt mit uns.
In gewohnt lockerer Fireside-Atmosphäre entstanden fast zwei Stunden intensiver Austausch zwischen Silicon Valley-Erfahrung und Brandenburger Gründergeist. Was dabei herauskam? Ehrliche Antworten, überraschende Erkenntnisse und konkrete Handlungsempfehlungen für alle, die es ernst meinen mit ihrem Startup.
Ein Fireside Chat ist unser regelmäßiges Gesprächsformat, das Gründerinnen und Gründer, Innovationsbegeisterte und Studierende mit erfahrenen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Startup-Szene zusammenbringt. Anders als bei klassischen Vorträgen führen wir persönliche Gespräche „auf Augenhöhe“ – offen, ehrlich und nahbar.
Der Name kommt aus der Tradition intimer Gespräche am Kamin. Genau so war auch unser Abend mit Mani: Keine PowerPoint-Präsentation, sondern echte Insights aus über zwei Jahrzehnten Unternehmertum und Investment-Erfahrung.
Mani Honigstein ist Managing Partner bei Honeystone Ventures, einem Early-Stage-Software-Fonds mit Sitz in Palo Alto, Kalifornien. Was ihn besonders macht: Er bringt über zwei Jahrzehnte Erfahrung aus beiden Seiten der Startup-Welt mit – als Investor und als Gründer.
Als Mitgründer mehrerer Technologie-Unternehmen, darunter Uplandme, Inc., einer Metaverse-Plattform, die reale Grundstücksadressen digital abbildet, kennt Mani die Herausforderungen des Gründens aus erster Hand. Upland, 2018 gegründet, bewegt sich in den Bereichen Blockchain-Gaming und digitalem Eigentum – genau die Art disruptiver Geschäftsmodelle, nach denen VCs suchen.
Bei Honeystone Ventures konzentriert sich Mani auf Frühphasen- und Seed-Investments in Software- und Technologieunternehmen. Besonders ist der Ansatz der Firma: Sie bringt gezielt akademisches Know-how und Forschungskompetenz in den Investmentprozess ein – ein Ansatz, den auch wir im Reaktor.Wildau verfolgen.
Seine harte Statistik: 1200 Firmen angeschaut, 4 Investments gemacht. Diese Zahlen verdeutlichen, wie selektiv VCs wirklich sind und wie hart der Kampf um Investment-Dollars ist.
Eines der ersten Themen, das Mani ansprach, war der fundamentale Mentalitätsunterschied: „In Amerika wird nicht optimiert, sondern revolutioniert.“ Diese Denkweise prägt alles – von der Produktentwicklung bis zur Marktansprache.
Konkrete Empfehlung: Startups brauchen eine klare Strategie, wie sie richtig groß werden wollen. VCs suchen nicht nach netten Verbesserungen, sondern nach Unternehmen, die bereit sind, Märkte komplett zu verändern.
„Wer VC-Geld will, muss dick auftragen“, betonte Mani immer wieder. Das bedeutet: Der Weg zu 100 Millionen Euro Umsatz muss als realistisches Szenario im Kopf spielbar sein. Alles darunter ist für echte VC-Fonds uninteressant.
Wichtig: Nicht jeder braucht VC-Geld. Aber wer es will, muss bereit sein, dieses Mindset zu übernehmen und Vollgas zu geben.
Manis klare Aussage: „Team geht über alles, Markt ist dann egal.“ Ein starkes Team kann fast jedes Problem lösen, ein schwaches Team scheitert selbst mit der besten Idee.
Was er bei Teams sucht:
Ein überraschender Red Flag: Teams, die sich zu früh hohe Titel geben (CEO, CTO bei einem Zwei-Mann-Team). Das zeigt mangelnde Bodenhaftung und falsches Selbstbild.
„Von 100 Anfragen entstanden 10 Kunden“ – solche konkreten Zahlen will Mani sehen. Traction ist der Beweis, dass das Team verkaufen kann und der Markt das Produkt will.
Teams müssen klar beantworten können: „Wie viele Gespräche brauchen wir für X Kunden?“ Wer diese Zahlen nicht hat, ist noch nicht bereit für VC-Investment.
Kernfrage: „Welche Kunden arbeiten bereits mit euch?“ Ohne Antwort, kein Investment.
Manis klare Ansage: LinkedIn-Nachrichten funktionieren nicht mehr. Der Kanal ist übersättigt.
Was funktioniert:
„Suchen Themen, wo NICHT 200 Teams weltweit draufspringen.“ KI ist überhypt, aber aus kleinen Nischen können große Sachen entstehen – siehe AirBnB oder Uber.
Entscheidend: VCs müssen sehen können, wie aus einer kleinen Idee etwas Großes entstehen kann.
Mani sieht Potenzial in:
„KI ist überhypt“ – aber nicht unwichtig. Die Frage ist nicht „KI oder nicht KI“, sondern: „Löst es ein echtes Problem in einer spezifischen Nische?“
Transparenz schätzen: „Komplett transparent und ehrlich – CEO/CTO nur als Hülle geht gar nicht.“
Google-Mitarbeiter-Paradox: Interessant war die Erkenntnis, dass ehemalige Google-Mitarbeiter oft weniger Startup-geeignet sind als erwartet. Sie brauchen die Sicherheit als Angestellte.
Ideen nicht geheim halten: Manis Motto: „Du kannst meine Idee klauen, wenn du sie besser umsetzen kannst – dann bin ich der Falsche dafür.“
„Alle anderen haben mehr Geld, mehr Netzwerk… wo kann ich punkten?“ Die Antwort: Mit der eigenen Geschichte, der persönlichen Story, die du nur selbst erzählen kannst.
Manis pragmatische Sicht auf Unternehmensbewertungen: „Ich verkaufe Hoffnung und Vision.“ Bewertungen entstehen nicht durch Assets, sondern durch das Potenzial, neue Märkte zu schaffen.
Wichtig: Die Vision muss glaubwürdig und vom Team umsetzbar sein.
Ein ehrlicher Moment: „Selbst in 24 Stunden eine Berg- und Talfahrt – mental eine starke Herausforderung.“ Mani machte deutlich, dass auch erfahrene Unternehmer mit den emotionalen Höhen und Tiefen kämpfen.
Coping-Strategie: Das Wissen, dass diese Schwankungen normal sind und Teil des Weges.
Der Abend verdeutlichte die Diskrepanz zwischen USA und Europa – nicht als Nachteil, sondern als Chance. Während im Silicon Valley härter und aggressiver gespielt wird, können deutsche Startups mit Bodenhaftung und nachhaltigen Geschäftsmodellen punkten.
„Du musst jedem erzählen, was du machst – verkaufe dich überall! Du weißt nie, wen du vielleicht vor dir hast.“ Diese Silicon Valley-Mentalität können auch Brandenburger Startups übernehmen.
Manis Rat für Startup-Mitarbeiter: „Sollten nach Equity fragen – zeigt Commitment.“ Wer bereit ist, 0,5-1% der Firma als Teil der Vergütung zu akzeptieren, zeigt, dass er an den Erfolg glaubt.
„Mit Unsicherheit arbeiten können“ und idealer Weise „24/7 Commitment“ – so ehrlich war Mani über die Erwartungen an Startup-Teams.
Unser Fireside Chat mit Mani Honigstein hat gezeigt: Auch von Brandenburg aus sind Silicon Valley-Standards erreichbar. Es braucht das richtige Mindset, klare Traction und Teams, die bereit sind, alles zu geben.
Die fast drei Stunden intensive Diskussion haben allen Anwesenden wertvolle Einblicke gegeben – von der brutalen Ehrlichkeit der VC-Welt bis zu konkreten Handlungsempfehlungen für den eigenen Startup-Weg.
Solche Gespräche mit Weltklasse-Experten sind ein zentraler Baustein unseres Programms im Reaktor.Wildau. Wir bringen globale Expertise nach Brandenburg und schaffen Räume für den direkten Austausch zwischen lokalen Talenten und internationalen Profis.

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