19. März 2026

Am 19. März 2026 war Prof. Dr. Roland Fassauer zu Gast im Reaktor Wildau für ein intensives Fireside Chat. Der Serienunternehmer, Business Angel und Professor an der Code University teilte seine Erfahrungen aus über 50 Investments, zwei Jahrzehnten Unternehmertum und seinem Weg von Intershop bis zur eigenen Venture-Fonds-Struktur.
Roland Fassauer ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich zufällige Wendungen zu einer systematischen Entrepreneurship-Laufbahn entwickeln können. Sein Weg führte ihn von Intershop über einen erfolgreichen Bootstrap-Exit mit einem Online-Fotoservice bis hin zur Gründung von Instituten und seiner heutigen Position als Professor an der Code University. Mit rund 70 Beteiligungen im Software- und AI-Bereich hat er beide Seiten der Medaille erlebt – als Gründer und als Investor.
Heute baut er nicht nur steuer- und fördernahe Services auf, sondern auch zwei Venture-Fonds: einen Founders Fund für 50k-Tickets und ein Pro-Rata-Vehikel für spätere Runden.
„Glück spielt eine große Rolle“, betont Fassauer gleich zu Beginn. Doch seine zentrale Botschaft lautet: Mehr Versuche erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit. Es geht darum, den Survivorship Bias zu verstehen und trotzdem die Chancen zu nutzen.
Fassauers Empfehlung: Das erste Startup im geschützten Raum probieren. Schnell und ohne viel Geld testen. Die erste Idee ist selten die beste, aber sie ist der Startpunkt für den Lernprozess.
Statt sich in übersättigten Feldern zu verlieren, rät Fassauer dazu, kleine, klar definierte Märkte zuerst zu dominieren. Dort sind Exits realistischer und die Lernkurve steiler.
Eine der prägnantesten Erkenntnisse des Abends: „Ein nicht existierendes Produkt ist leichter zu verkaufen als ein fertiges.“
Kunden vor Kapital – diese Maxime zieht sich durch Fassauers gesamte Philosophie. Bootstrapping mit geringen Fixkosten und eigenständiger Umsetzung minimiert das Risiko und maximiert die Lerngeschwindigkeit.
„Keinen Co-Founder zu finden, spricht vielleicht auch nicht für eine gute Idee“, bemerkt Fassauer pragmatisch. Komplementäre Co-Founder sind Pflicht – idealerweise Tech + Sales.
Allein gründen ist nicht nur einsam, sondern auch weniger erfolgreich. Sparring und Austausch sind essenziell für schnelle Entscheidungen und Pivots.
Als Investor fokussiert sich Fassauer auf sehr frühe Tickets im Pre-Seed-Bereich:
„Ich muss die besten Firmen sehen, um zu investieren“, erklärt Fassauer. Fehler des Unterlassens seien teurer als Fehler des Handelns.
An der Code University setzt Fassauer auf projektbasiertes Lernen mit echten Budgets. Studierende müssen sich mit Projekten bewerben und werden nach Resilienz, Eigenantrieb und Frustrationstoleranz ausgewählt.
Die Fassauer-Lehrmethode:
„Du musst erst selbst gegründet haben, um das auch zu lehren.“
Für KI-Startups hat Fassauer klare Empfehlungen: Wertschöpfung in der Anwendungsschicht nahe am Kunden. Die Technologie sollte austauschbar bleiben.
„Die eigene Idee muss mit unterschiedlichen Techniken funktionieren. Du musst wissen, was du machen willst und was dein Kunde braucht.“
Ein Voice-Bot-Startup mit schneller Run-Rate zeigt, wie nahe Kundenbeziehung wichtiger ist als die zugrunde liegende KI-Technologie.
Fassauers Go-to-Market-Empfehlungen sind zielgruppenspezifisch:
KI: Langfristiges Thema auf Anwendungsebene, Infrastruktur austauschbar halten
Defence: Relevant, aber wenige Käufer und lange Zyklen → selten VC-tauglich
Quantencomputing: Wachsende praktische Relevanz, besonders in Optimierungsfeldern
AI-Compliance: Champion-Strategie in regulierten Umfeldern, operativer Mehrwert über reine Compliance hinaus
Der Abend endete mit einer bemerkenswerten Beobachtung: „Sehr detaillierte und tiefe Gespräche, obwohl es die erste Begegnung war – das ist der Reaktor Wildau.“
Diese Atmosphäre des offenen Austauschs, neue Netzwerke und Kooperationen entstehen zu lassen, ist genau das, was ein Accelerator-Programm ausmacht.
Roland Fassauers wichtigste Botschaft: Erfolg ist oft Timing und Zufall, aber Statistik durch viele Experimente kann das kompensieren. Seriengründungen werden leichter, weil man aus Fehlern lernt und bessere Systeme entwickelt.
Für Gründer im Reaktor Wildau bedeutet das: Den geschützten Raum nutzen, schnell validieren, das richtige Team finden und dabei nie vergessen – das Team ist die Konstante, nicht die Idee.
Kontakt zu Roland Fassauer: Er liest seine Mails und ist über LinkedIn erreichbar. Sein Angebot steht – für Gründer, die bereit sind, den Weg vom Zufall zum System zu gehen.

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