09. Juli 2026

Pitch in Progress

Pitch in Progress: Was unsere Startups über den perfekten Kundenpitch gelernt haben

Das Format, das aus Pitches Können macht

Ein Pitch ist kein Monolog. Er ist ein Gespräch – nur dass eine Seite noch nicht weiß, dass sie teilnimmt.

Genau das ist der Gedanke hinter unserem Format Pitch in Progress im Reaktor Wildau. Keine Bühne, kein Applaus, keine Bewertung. Stattdessen: Fünf Minuten pitchen, dann zehn Minuten echtes Feedback von Menschen, die zuhören – und die es besser wissen wollen.

In der jüngsten Session haben fünf Startups aus Batch 2 ihre Kundenpitches vorgestellt: RK Droneview, PraxiOps, RecarBox, Tilwa und Spiral Clarity. Moderiert von Sascha Schubert.

Was dabei herauskam, war mehr als Feedback. Es waren sechs Lektionen, die für jeden gelten, der verkaufen will.


Der erste Unterschied: Kundenpitch ist nicht Investorenpitch

Ein Kundenpitch hat ein anderes Ziel als ein Investorenpitch.

Investor:innen wollen eine Wachstumsgeschichte. Sie wollen verstehen, wie groß der Markt ist, wie das Team skaliert und wann sie ihr Geld zurückbekommen.

Kunden wollen etwas anderes. Sie wollen verstehen: Löst das mein Problem? Was kostet es? Und warum sollte ich dir vertrauen?

Das klingt einfach. Ist es nicht. Denn viele Gründer:innen bauen ihre Kundenpitches wie Investorenpitches – mit Marktdaten, Wachstumsplänen und Visionsfolien. Was fehlt: die Antwort auf die einzige Frage, die Kunden wirklich interessiert.


Die sechs Lektionen

1. Das Problem kennt dein Kunde schon – komm schnell zum Nutzen

Wer eine Lösung kauft, kennt sein Problem bereits. Eine lange Problembeschreibung kostet Zeit und Aufmerksamkeit, die besser für den wirtschaftlichen Nutzen genutzt werden sollte.

Zeig nicht, dass ein Problem existiert. Zeig, was es kostet – und was es kostet, es nicht zu lösen.

Die Lektion: Kenne deinen Kunden gut genug, um zu wissen, was er bereits weiß. Überspringe das, was er kennt. Zeige, was er noch nicht gesehen hat – nämlich, was er ohne dich verliert.


2. Personalisierung schlägt Durchschnitt

Durchschnittszahlen treffen niemanden direkt. Wer sagt, dass „Unternehmen im Schnitt X Euro sparen“, spricht alle an – und damit keinen.

Eine Präsentation, die das konkrete Problem des Kunden vor dir benennt, seine Situation kennt und zeigt, wie die Lösung genau für ihn funktioniert, ist kein netter Aufwand. Sie ist ein Vertriebswerkzeug.

Die Lektion: Kunden kaufen keine Durchschnittslösungen. Sie kaufen Lösungen für ihre Probleme. Je konkreter du zeigst, dass du ihr Problem kennst, desto kürzer ist der Weg zum Ja.


3. Zeig das Produkt – live, nicht auf Folien

Eine Folie erklärt. Eine Demo überzeugt.

Wenn dein Produkt einen Prozess vereinfacht, eine Software ist oder etwas Sichtbares tut – zeig es. Nicht als Screenshot, nicht als Animation. Live. Der Moment, in dem ein Kunde sieht, wie sein Problem verschwindet, ist der Moment, in dem er kauft.

Die Lektion: Alles vor der Demo ist Vorbereitung. Die Demo ist der Pitch.


4. Der ROI muss konkret sein – nicht geschätzt

Kunden kaufen keine Features. Sie kaufen Return on Investment.

Umfragewerte und Marktdaten machen ein Gespräch interessant. Aber sie machen es nicht entscheidungsreif. Was fehlt: die konkrete Rechnung für genau diese Zielgruppe. Wie viel spart sie? Wie schnell amortisiert sich die Investition? Was passiert, wenn sie nicht kauft?

Die Lektion: Rechne es durch – für deine Zielgruppe, nicht allgemein. Und zeige die Rechnung.


5. Kenne den Einwand, bevor er kommt

Jede Zielgruppe hat Einwände, die vorhersehbar sind. Wer sie kennt, kann sie im Pitch ausräumen – oder seine Strategie so anpassen, dass er ihnen erst gar nicht begegnet.

Ein Einwand, der unvorbereitet trifft, ist ein Gespräch, das endet. Ein Einwand, auf den man eine Antwort hat, ist ein Gespräch, das weitergeht.

Die Lektion: Bereite dich auf die drei häufigsten Einwände deiner Zielgruppe vor. Dann gehst du in kein Gespräch mehr unvorbereitet.


6. Nervosität ist kein Problem – Vorbereitung ist die Antwort

Nervosität ist normal. Ein Versprecher unterbricht einen Pitch nicht – er zeigt nur, dass ein Mensch spricht, kein Skript.

Die beste Strategie: Einfach weitermachen. Das Publikum bemerkt kleine Fehler meistens nicht. Und wenn doch, verzeiht es sie sofort – solange der Inhalt stimmt.

Die Lektion: Übe den Pitch so oft, dass du ihn im Schlaf könntest. Dann hast du genug mentale Kapazität, um auf das zu reagieren, was der Kunde sagt – nicht nur auf das, was du sagen wolltest.


Was Pitch in Progress wirklich trainiert

Pitchen ist eine Fertigkeit. Keine Begabung, keine Persönlichkeitseigenschaft. Eine Fertigkeit, die man lernt – durch Übung, durch Feedback und durch die Bereitschaft, sich zu korrigieren.

Pitch in Progress ist dafür gemacht. Nicht um zu bewerten, sondern um zu verbessern. Nicht um zu kritisieren, sondern um gemeinsam herauszufinden, was wirklich funktioniert.

Was dabei immer wieder auffällt: Die besten Pitches sind nicht die lautesten oder selbstbewusstesten. Sie sind die, die den Kunden wirklich kennen – seine Sprache sprechen, sein Problem benennen, seinen ROI berechnen.

Das ist kein Talent. Das ist Vorbereitung.

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